Dienstag, 24. September 2013

Der Mythos von Matthew Shepard

Im Kampf gegen angebliche „Homophobie“ werden immer wieder Geschichten konstruiert, die sich nach gründlicher Recherche als Mythos erweisen. So wurde beispielsweise der Christopher Street Day von der Homosexuellenlobby für diesen Zweck instrumentalisiert und zur Legende stilisiert.  

Ein ähnlicher Fall von Legendenbildung geschah im Jahr 1998 in den USA. Im Oktober desselben Jahres wurde der homosexuelle Student Matthew Shepard in Laramie/Wyoming von zwei Männern, Aaron McKinney und Russell Henderson, brutal ermordet. Die Täter wurden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, wobei ihr Tatmotiv jedoch nicht abschließend geklärt werden konnte. Während der Gerichtsverhandlung erzählten die beiden Angeklagten unterschiedliche Tatverläufe und nutzen dabei auch die sogenannte Gay Panic Defence: Sie argumentierten, dass sie sich durch die Homosexualität Shepards bedroht gefühlt hatten. Ein anderes Mal sagten sie aus, sie hätten Shepard nur ausrauben wollen und hätten nie vorgehabt, ihn zu töten.

Der Fall erregte großes Aufsehen. Internationale Medien schrieben, die Täter hätten Shepard wegen seiner Homosexualität umgebracht, weshalb die Tat in der öffentlichen Diskussion fast durchgängig als homophobes „Hate Crime“ (Hassverbrechen) bezeichnet wurde. Dies rief den wütenden Protest homosexueller Bürgerrechtsbewegungen auf den Plan. Sogar die Unterhaltungsindustrie widmete sich dem Leben und Sterben des jungen Mannes in eigens komponierten Liedern, Filmen, einem Theaterstück und einer Dokumentation. Matthew Shepard wurde posthum als schwuler Märtyrer und „Ikone der Schwulenbewegung“[1] präsentiert. Die Verehrung des ermordeten Studenten ging so weit, dass der Zaun, an den die Männer ihn gebunden hatten, Ziel zahlreicher Pilgerfahrten wurde. Seine Eltern gründeten Ende 1998 die Matthew Shepard Foundation und seine Mutter veröffentlichte 2009 eine Biografie ihres Sohnes. Das Verbrechen hatte auch politische Auswirkungen: Es führte zu dem Matthew Shepard and James Byrd, Jr. Hate Crimes Prevention Act, aufgrund dessen seit Ende 2009 in den USA ein sogenanntes „Hate Crime“ gegen Homosexuelle mit höheren Strafen belegt wird. 

Im September 2013 trat eine Wende ein. Der homosexuelle Journalist Stephen Jimenez publizierte das Buch "The Book of Matt: Hidden Truths About the Murder of Matthew Shepard", in dem er nach 13 Jahren intensiver Recherche zu dem Schluss kommt, dass der Mord an Shepard kein homophobes Hassverbrechen war, sondern im Zusammenhang mit Drogenhandel geschah. Für das Buch interviewte er über 100 Personen aus Shepards Freundeskreis, Freunde der Täter und die Täter selbst. Laut Jimenez hatte Shepard mit Methamphetamin gehandelt und eine sexuelle Beziehung zu Aaron McKinney, einem seiner Mörder, gehabt. Der Journalist vermutet, dass Matthew Shepard ermordet wurde, weil er in den Besitz einer großen Menge dieser Droge gelangt sei.

Zahlreiche US-Medien berichten jetzt über das Buch und stellen unbequeme Fragen.
Aaron Hicklin schreibt in der Homosexuellen-Zeitung The Advocate[2]: „Have We Got Matthew Shepard All Wrong? A new book argues that America’s most notorious hate crime was not a hate crime at all.”  Wenn das stimmt, was Jimenez herausfand, so Hicklin, werfe dies ein völlig neues Licht auf ein Verbrechen, das alle Welt  als homophobes Hate Crime ansieht, bei dem jedoch Täter und Opfer einander kannten, Sex miteinander hatten und gemeinsame Drogengeschäfte betrieben.
Der Anwalt und Buchautor Kenneth S. Stern fragt im Jewish Daily Forward[3]: „But what if an effort to counter hate is based on an inspirational story – and that story is a lie?” Stern, anerkannter Experte für Hate Studies und Hassgruppen, hält die Aussagen von Stephen Jimenez für glaubhaft.
Der Anwalt Ben Shapiro spricht von der „Macht des linken Mythos“[4] und zitiert den bekannten Radiotalkmaster und Journalisten Dennis Prager: „[He] has wisely observed that to the left, truth is not a value.
Ideology is a value. And so the myths of Shepard … must live on. That's because the left understands that narrative drives hearts and minds, rather than argument.“
Nach Ansicht von Joseph Farah, Chefredakteur von WorldNetDaily, waren in der Berichterstattung der US-Medien die „Fakten“ Opfer der Emotionen: “Shepard was not a martyr in the battle with homophobia. He was simply the victim of consensual homosexual relationship gone bad – as too many do. … Shepard has achieved a degree of sainthood in the homosexual movement. He became the poster boy for hate-crimes laws, movies, songs, books, scholarships and disinformation galore. He’s been an icon of the phony war on homophobia that has chilled free speech and free association. … The question arises: Now that the truth has finally been told, will it make any difference? Will those who wrongly politicized his death with falsehoods and mischaracterizations apologize? Will the foundations that mythologized his murder give up their assets and close their doors? Will the politicians who turned the rule of law upside-down under false pretenses repeal their hideous acts that defraud the First Amendment and impose thought crimes on the public? … Once truth is no longer important, people are incapable of governing themselves effectively. They become irrational. They make decisions based purely on emotional reactions unconnected with reality. … And that’s what will continue to happen to American politics and culture when the “facts” are dictated by the emotions of those who want to justify their own hedonism in a false flag of heroism, victimhood, virtue and innocence.“[5]

Wie wird nun die Öffentlichkeit und insbesondere die Presse auf die neue Faktenlage reagieren? Wird die Homophobie-Geschichte weiter aufrecht erhalten oder hat man den Mut, zuzugeben, dass man sich geirrt hat? Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, bei der in 23 Sprachen ein Artikel über Matthew Shepard zu finden ist, wird sich vermutlich schwer damit tun. Es ist aufschlussreich, was einer der US-Editoren zur aktuellen Sachlage bemerkt: „I'm concerned that the book represents a minority viewpoint and is UNDUE for this biography, specifically, ‘If a viewpoint is held by an extremely small (or vastly limited) minority, it does not belong in Wikipedia regardless of whether it is true or not and regardless of whether you can prove it or not, except perhaps in some ancillary article’." Wenn die Wirklichkeit dem Mainstream zuwider läuft und nur eine „Mindermeinung“ widerspiegelt, wird sie es schwer haben, gegen einen Mythos anzukommen.


[1] Süddeutsche Zeitung am 17.5.2010
[2] http://www.advocate.com/print-issue/current-issue/2013/09/13/have-we-got-matthew-shepard-all-wrong?page=full
[3] http://forward.com/articles/183494/what-if-matthew-shepards-murder-wasnt-an-anti-gay/?p=all#ixzz2ebPpJ9S5
[4] http://townhall.com/columnists/benshapiro/2013/09/19/matthew-shepard-trayvon-martin-and-the-power-of-leftist-myth-n1704035

1 Kommentar:

  1. Laut dem Sherrif haben die Täter bei der ersten Einvernahme vor allem prejokative Synonyme für Schwule benutzt. Auf einer Archivseite gibt es ein Interview mit ihm. (Tonaufzeichnung). Die dann verwendete "Gay Panic Defense" ist auch ein Ausdruck von Homophobie. McKinney präsentiert sich als heterosexueller Stricher. Im Advocate-Artikel steht: "Jimenez is less interested in that kind of social analysis, but what’s striking throughout his book is how desperate McKinney is to refute allegations that he is gay or bisexual — even at the expense of undermining his own case. Whether it was a hate crime, a drug crime, or a combination of the two, it’s hard to shake the suspicion that self-hate and a misguided culture of masculinity, which taught McKinney to abhor in himself what Shepard had learned to embrace, was as complicit as anything else in the murder of Matthew Shepard." Also wie man es dreht und wendet, Homophobie ist ein Teil des Falls.

    Die Bezeichnung "Märtyrer" fanden schon einige als unpassend. Opfer und Symbolfigur, das ja.

    Ich habe mich auch etwas mit der Hagiographie und Realität von "Uganda Martyrs" (Karl Lwanga und Gefährten) beschäftigt, wo anscheinend auch gerne so einiges unter den Tisch fallen gelassen wird. Vater Mutesa I. spielte Missionare verschiedener Religionen gegeneinander aus. Und letztendlich ging es darum wer die Macht im Königreich hatte: Missionare und dahinterstehende Kolonialsysteme oder der König und die tratitionelle Religion. Heute werden sie tw. als Symbolfiguren gegen Homosexualität gesehen

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