Freitag, 16. Dezember 2011

Magnus Hirschfeld - "das falsche Idol"*


Teil 2: Hirschfeld und die Eugenik


Magnus Hirschfeld war leider auch Anhänger der Eugenik, die mit den Schlagworten Rassenhygiene und Blutreinheit Eingang in die nationalsozialistische Ideologie fand. Er glaubte an die biologische Höherzüchtung des Menschen. Als Mitbegründer der Weltliga für Sexualreform formulierte er als einen der 10 Programmpunkte: „die Verbesserung des Menschengeschlechts nach eugenischen Gesichtspunkten.“[1] Im Vorwort zu seinem 1933 publizierten Buch Die Weltreise eines Sexualforschers schrieb er: Die Eugenik bezweckt durch die Hervorbringung besserer und glücklicherer Menschen die Entstehung einer besseren und glücklicheren Menschheit.[2]

Hirschfeld war auch Mitglied in der 1905 von Alfred Ploetz gegründeten Gesellschaft für Rassenhygiene. Ploetz war Antisemit und Anhänger des Ariertums. Die Gesellschaft für Rassenhygiene bahnte u.a. den Nazis den Weg für Gesetze wie das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Mit dem Argument, die Volksgesundheit sei nur durch Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ zu erhalten, rechtfertigte man unter dem Begriff „Euthanasie“ Massenmorde an Kranken und Behinderten, Zwangssterilisierungen u. ä. Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch kritisiert in seinem SPIEGEL-Artikel Hirschfelds aufklärerische Haltung und bezieht ihn hier mit ein: „Die deutschen Gelehrten, die lange vor dem Hitlerfaschismus wissenschaftlich und ethisch begründeten, warum bestimmte Menschen und Rassen Unkraut seien, minderwertig und lebensunwert, waren von hohen Idealen durchdrungen.“[3]

In seinem 1908 veröffentlichten Artikel „Über Sexualwissenschaft“ bezog Hirschfeld den Geschlechtstrieb auf die „Vervollkommnung des Menschengeschlechts“: „Man scheut sich, ein verkrüppeltes Männchen oder Weibchen zu ehelichen oder jemanden, dessen Vater sich im Zucht- oder Irrenhaus befindet. Und nicht ohne Grund; denn nur, wenn wir die Gesündesten, Wohlgestaltetsten, Intelligentesten und Gesittetsten zu Ehehälften nehmen, tragen wir zur Veredelung der Rasse bei.“[4]

Er glaubte, die meisten Homosexuellen bekämen, wenn sie sich fortpflanzten, genetisch „degenerierte“ Nachkommen, weil sie selbst schon „degenerierte“ Erbanlagen in sich trügen. Deshalb habe die Natur die Homosexualität erfunden, so daß die „Degenerierten“ sich nicht fortpflanzten, sondern ihre Sexualität unfruchtbar unter sich auslebten, und die menschliche Keimbahn so von Erbfehlern frei bliebe.[5]
In seinem Lehrbuch „Geschlechtsverirrungen“ erläutert Hirschfeld seine Ansichten zur genetischen Disposition homosexueller Frauen und Männer: „Die Annahme, dass sich die Natur homosexueller Menschen bedient, um eine Degenerierung zu verhindern, scheint durch die Ehen und die Nachkommen von Homosexuellen bewiesen zu werden. Viele dieser Ehen sind kinderlos, aber wenn sie es nicht bleiben, sind die Kinder meistens geistig minderwertig, falls nicht ein besonders guter Partner einen genügenden Ausgleich in die Ehe bringt. Jedenfalls ist die Ehe eines Homosexuellen vom Standpunkt der Rassenpflege aus ein gefährliches Unternehmen. … Jedenfalls verdammt ein Homosexueller, der heiratet, eine gesunde Frau zur Sterilität oder zur Geburt geistesschwacher Kinder.“[6]
Laut Andreas Seeck brachte Hirschfeld Homosexualität immer wieder mit „einer krankhaften Anlage des Nervensystems“ in Verbindung und bezeichnete „die in den Ehen Homosexueller erzeugten Kinder“ als „selten vollwertig“ und „degeneriert“.[7]
Solche abstrusen Äußerungen entbehren nicht nur jeder wissenschaftlichen Grundlage, sie sind auch zutiefst verletzend und diskriminierend.

Der Psychologe Peter Kratz hat sich intensiv mit Magnus Hirschfeld und insbesondere mit seiner Haltung zur Eugenik beschäftigt. Die folgenden Zitate aus seinem Artikel in der Zeitschrift KONKRET sind sehr aufschlussreich:
„Entsprechend war die eugenische Eheberatung, die in seinem [Hirschfelds] Institut für Sexualwissenschaft (IfSw) breiten Raum einnahm, sich an die unteren Gesellschaftsschichten richtete und dem Ziel der biologischen 'Hinaufpflanzung' (statt einfacher Fortpflanzung) der Menschheit folgte, ein Begriff, den Hirschfeld von seinem Idol Friedrich Nietzsche übernommen hatte, dem Ideologen des Übermenschen, den Hirschfeld in seinen Schriften immer wieder zitierte. Bei alldem war Hirschfelds Denken nicht primär von der Biologie geprägt, wie manche Kritiker heute meinen, sondern von den Ideen der Höher- und Minderwertigkeit und der Selektion; hierin lag seine faktische Gegnerschaft zu Menschenrechten und Menschenwürde. ... Er gehörte zum Dunstkreis der Täter, auch wenn sie ihn angriffen. Und statt medizinischer und psychologischer Wissenschaft brachte er wilde Thesen, rassenhygienische Ideologeme und viele Anekdoten zu Papier. ... Hirschfeld verehrte Ernst Haeckel, den Mitbegründer des Sozialdarwinismus, den die Nazis 1935 in ihrer Intellektuellen-Zeitschrift 'Nationalsozialistische Monatshefte' als 'Wegbereiter biologischen Staatsdenkens' feierten. Haeckel glaubte, die moderne Zivilisation setze das Evolutionsgesetz der natürlichen Auslese in der Menschheitsentwicklung außer Kraft, was zu einer sprunghaften Zunahme 'minderwertiger' Menschen führe, die letztlich den Fortbestand der menschlichen Rasse gefährdeten. Der drohenden 'Entartung' sollte durch 'Aufartung', vor allem durch Fortpflanzungsbeschränkungen für 'minderwertige' Menschen begegnet werden. ... Die Sozialdarwinisten sammelten sich im Deutschen Monistenbund…, bei den völkisch-religiösen Freireligiösen und in der Gesellschaft für Rassenhygiene des Antisemiten und Anhängers des Ariertums, Alfred Ploetz, deren Ehrenpräsident Haeckel ebenfalls war. Hirschfeld, der in der Gesellschaft für Rassenhygiene aktiv war und dem Monistenbund als führender Ideologe angehörte, gründete für seine Zwecke zusätzlich noch die Ärztliche Gesellschaft für Sexualethik und Eugenik, in der rechte Sozialdemokraten wie der berüchtigte Alfred Grotjahn (ebenfalls ein Ehrenpräsident der Gesellschaft für Rassenhygiene) den Ton angaben. ... In seinem Wissenschaftlich-Humanitären Komitee (WHK), das als erste Menschenrechtsorganisation der Homosexuellen gilt, arbeitete Hirschfeld eng mit Helene Stöcker zusammen, der weiblichen Stütze des WHK, die die 'Aufartung' des Volkes durch Gesundheitszeugnisse und durch Eheverbote für 'minderwertige Väter' über ihren Bund für Mutterschutz propagierte.“[8]

Ob das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses von 1933, das Eheverbote und Zwangssterilisationen vorsah, „zum Wohl der Bevölkerung Deutschlands“ sei, „kann erst die Zukunft lehren“, meinte Hirschfeld noch 1935. Seiner Ansicht nach greife das NS-Gesetz zu kurz: „Wenn man wirklich eine energische Ausjätung betreiben will, hätte man die Rauschsüchtigen und unter ihnen die Alkoholiker vor allem ins Auge fassen müssen“.[9]
Die Forderung der Eugeniker nach verpflichtenden Gesundheitsprüfungen vor der Eheschließung wurde 1935 von den Nationalsozialisten mit dem Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes verwirklicht.

In Hirschfelds letzter Arbeit, dem posthum und in englischer Übersetzung publizierten Buch Racism schrieb er: „Worth-while eugenics will only become practicable after the social revolution“. Die eugenische Bevölkerungspolitik der Nationalsozialisten durch Sterilisationen „Unerwünschter“ nannte er „an interesting experiment ... but it will be a long while before the results can be judged on their merits.“[10] Bereits in seinem 1930 erschienenen Lehrbuch „Geschlechtskunde“ hatte er sich für derartige Zwangsmaßnahmen ausgesprochen: „Die Zwangssterilisierung sollte nur in ganz besonders schweren Fällen erlaubt sein, namentlich, wenn die Betreffenden selbst geistig so verblödet sind, daß sie außerstande sind, über sich zu verfügen.“[11]
 

1931 unternahm Hirschfeld eine Vortragsreise in die USA, über die er in seinem Buch „Weltreise eines Sexualforschers im Jahre 1931/32“ berichtete. Organisiert wurde sie von seinem Freund George Sylvester Viereck, einem Anhänger des Nationalsozialismus. In den USA, so Peter Kratz, hoffte Hirschfeld auf eine größere Resonanz seiner eugenischen Positionen. Denn in einigen US-Bundesstaaten waren bereits Gesetze zur Zwangssterilisierung Behinderter in Kraft, ebenso wie gesetzliche Verbote für Ehen zwischen Weißen und Schwarzen oder Asiaten.[12]
 
Am Ende seiner umfangreichen Forschungsarbeit zieht Kratz das Fazit: „Der Übergang von seiner 'Sexualreform' zum Verbrechen [der Nationalsozialisten] war fließend, und dies hätte jeder sehen können, der sich prinzipiell für Eheverbote und Zwangssterilisierungen aussprach, denn die widersprachen auch schon in den 10er und 20er Jahren den Menschenrechten. Auch läßt sich, wie dargestellt, Hirschfeld nicht aufspalten in einen 'fortschrittlichen' Sexualreformer und einen 'problematischen' Eugeniker.“[13]

Wie kann eine Stiftung, die das nationalsozialistische Unrecht an Homosexuellen aufarbeiten will, sich nach einem Mann nennen, der eine Ideologie vertrat, die genau diesen Verbrechen mit den Boden bereitete?

Wird die Eugenik heute durch Abtreibung und PID wieder gesellschaftsfähig? Öffnen wir erneut die Büchse der Pandora mit der „Aussonderung unbrauchbarer Embryonen“ und einem „selbstbestimmten humanen Sterben“? Die liberalen Niederlande zeigen uns, wie Selektion auch ohne Diktatur funktionieren kann.


[1] Der Sozialistische Arzt, April 1928, siehe http://www2.hu-berlin.de/sexology/BIB/herzer/index.htm
[3] Sigusch, V., Man muss Hitlers Experimente abwarten, DER SPIEGEL vom 13.05.1985, abrufbar unter http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513911.html
[4] Hirschfeld, M., Über Sexualität, in: Zeitschrift für Sexualwissenschaft, Nr. 1, 1908, S. 9.  
[5] Peter Kratz über Magnus Hirschfeld, abrufbar unter http://www.google.de/imgres?imgurl=http://bifff-berlin.de/HirschWeltr.JPG&imgrefurl=http://bifff-berlin.de/aktuell118.html&usg=__fJyAy35Kh-6ex33e457jcJyCNlQ=&h=444&w=500&sz=152&hl=de&start=111&zoom=1&tbnid=VZI_DH561TnA3M:&tbnh=119&tbnw=134&ei=2NPjTu3pJMrIswav-ZTACQ&prev=/search%3Fq%3Dmagnus%2Bhirschfeld%26hl%3Dde%26sa%3DX%26biw%3D1280%26bih%3D636%26tbm%3Disch%26prmd%3Dimvnsbo&itbs=1&iact=hc&vpx=463&vpy=276&dur=6893&hovh=212&hovw=238&tx=142&ty=175&sig=102316185332427629278&page=6&ndsp=24&ved=1t:429,r:10,s:1
[6] Hirschfeld, M., Geschlechtsverirrungen. S. 281-283.
[7] Seeck, A., Aufklärung oder Rückfall? Das Projekt der Etablierung einer „Sexualwissenschaft“ und deren Konzeption als Teil der Biologie, in: M-MHG, Nr. 26/27, 1998; kritische Beiträge zur Eugenik auch in M-MHG Nr. 11, 1988, S. 25.
[8] Kratz, P., Der Streicher des Sex, Konkret 4/2000, abrufbar unter http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=derstreicherdessex&jahr=2000&mon=04
[9] Hirschfeld, M., Phantom Rasse, zit. n. Herzer, M.: Hirschfelds Utopie, in M-MHG Nr. 28, 1998, S. 58-60.
[10] Hirschfeld, M., Racism. Translated and Edited by Eden and Cedar Paul, London 1938, S. 173.
[11] Hirschfeld, M., Geschlechtskunde, Bd. III, Stuttgart 1930, S. 48.
[12] Kratz, P., Magnus Hirschfeld: Nazis pflasterten seinen Weg, abrufbar unter http://www.bifff-berlin.de/aktuell118.html
[13] Kratz, P., Magnus Hirschfeld - das falsche Idol für sexuelle Emanzipation, abrufbar unter http://www.bifff-berlin.de/IfSw1.htm

 
* Peter Kratz über Magnus Hirschfeld: http://www.trend.infopartisan.net/trd7800/t357800.htm#anm2

Magnus Hirschfeld - "das falsche Idol"*


Teil 1: Hirschfelds Position zur Homosexualität


Das Bundesjustizministerium gab in diesem November bekannt, dass in Berlin die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld errichtet und mit zehn Millionen Euro ausgestattet worden sei. Laut BMJ will die neue Stiftung „der gesellschaftlichen Diskriminierung homosexueller Männer und Frauen in Deutschland entgegenwirken. Das von den Nationalsozialisten an Homosexuellen verübte Unrecht soll historisch aufgearbeitet und dokumentiert werden. Darüber hinaus sollen Leben und Werk des Namensgebers Dr. Magnus Hirschfeld (1868-1935) wissenschaftlich erforscht und dargestellt werden.“[1]
Magnus Hirschfeld wurde als Sohn des jüdischen Medizinalrats Hermann Hirschfeld in Kolberg geboren und gilt als „Vater der ersten homosexuellen Bürgerrechtsbewegung.“[2] Sein Institut für Sexualwissenschaft wurde 1933 von den Nationalsozialisten zerstört. Im Pariser Exil unternahm er zusammen mit seinen beiden Lebensgefährten Tao Li und Karl Giese den Versuch, das Institut neu zu gründen, was jedoch nicht gelang. Nach Aussage seines Biografen Manfred Herzer war Hirschfeld homosexuell, lebte seine sexuelle Orientierung aber nicht offen aus. Aus einem Polizeiprotokoll von 1920 geht hervor, dass ihm einmal die versuchte Verführung jugendlicher Postboten vorgeworfen wurde.[3] 

Hirschfeld bezeichnete Homosexualität als „Anomalie[4] und „angeborene Missbildung[5]: Somit haben wir es bei den Abweichungen vom normalen Trieb nicht mit einer Krankheit im gewöhnlichen Sinn zu thun, sondern mit einer angeborenen Missbildung, welche anderen Hemmungen der Evolution, der Hasenscharte, dem Wolfsrachen, der Epispadie, der geteilten Gebärmutter, dem Nabelbruch etc. gleichartig an die Seite zu setzen ist.“ Völlig konträr zur heute propagierten Ansicht, Homosexualität sei ganz normal, stufte er sie unter „Geschlechtsanomalien und Perversionen“ ein und widmete ihr einige Kapitel in seinem Buch „Geschlechtsverirrungen“, das er kurz vor seinem Tod abschloss. Hirschfelds Beschreibung homosexueller Frauen und Männer in seinem Buch „Berlins Drittes Geschlecht“ kontrastiert heftig zu dem auf CSD-Paraden vermittelten Trugbild, Schwulsein sei „gay“ (fröhlich): „Unglückliche, Entrechtete, die den Fluch eines geheimnisvollen Rätsels der Natur durch ihr einsames Leben schleppen.“[6]

Obwohl er Homosexualität für angeboren hielt, erwähnte Hirschfeld in seinem Lehrbuch folgende Beobachtung: „Viele Patienten, die an periodischer Neurasthenie litten, sagten uns, dass sie im Zustand der Depression homosexuelle Triebe hätten, im Zustand der Erhobenheit aber hetero-sexuelle.“[7] Wie passt das zu der Behauptung der Homosexuellenbewegung, homosexuelle Gefühle seien unveränderbar?

Heute ist es schon fast Mainstream-Meinung, Homosexualität und Heterosexualität seien beide gleichberechtigte, gute und normale Formen der Sexualität. Hirschfeld dagegen schreibt in seinem Vorwort zu „Berlins Drittes Geschlecht:“ „Die Vorzüge der normalsexuellen Liebe, wie sie – um nur von vielen einen zu nennen – vor allem im Glücke der Familie zum Ausdruck gelangen, sind denn doch so gewaltige, die Nachteile, die aus der homosexuellen Anlage erwachsen, so außerordentliche, dass, wenn ein Wechsel der Triebrichtung möglich wäre, er gewiss für die Homosexuellen, nicht aber für die Normalsexuellen in Betracht kommen würde.“[8] Offenbart Hirschfeld damit vielleicht auch seine eigene Sehnsucht nach „Normalität“? Mit Sicherheit würde er heute für eine solche politisch-inkorrekte Wortwahl angegriffen, taugt doch die Bezeichnung „normalsexuell“ nicht gerade für den Kampf gegen die „Heteronormativität“.    

Wer heute über Therapiermöglichkeiten der Homosexualität laut nachdenkt, kann sich aggressiver Reaktionen sicher sein. Hirschfeld tat dies im Jahr 1908 in seiner Vorbemerkung zu Aufsätzen des Wiener Arztes und Psychoanalytikers Isidor Sadger: „Da vielen der Homosexuellen der gewiss berechtigte Wunsch innewohnt, heterosexuell zu empfinden, müssen wir jedem Arzt dankbar sein, der neue Behandlungsmöglichkeiten aufweist. Nachdem die hypnotische Behandlung die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat, bemühen sich seit einiger Zeit Prof. Dr. Freud-Wien und seine Schüler, unter denen der Herr Verfasser obiger Arbeit eine hervorragende Stellung einnimmt, mittels der Psychoanalyse gegen die Homosexualität therapeutisch vorzugehen. Noch ist es natürlich nicht möglich, ein abschließendes Urteil über das neue Verfahren zu fällen, doch wollen wir nicht unterlassen, die Ärzte und die Homosexuellen auf Freuds analytische Methode hinzuweisen, die jedenfalls den Sexualstatus wesentlich tiefer und gründlicher angreift, wie die Hypnose.“[9] Heute müssen Ärzte und Therapeuten, die über Behandlungsmöglichkeiten informieren, befürchten, mit Berufsverbot bedroht zu werden.[10] Was würde Hirschfeld wohl dazu sagen?

Hirschfeld war so davon überzeugt, dass Homosexualität mit erheblichen Nachteilen verbunden ist, dass er sogar mehrere Homosexuelle an Professor Steinach in Wien überwies, der ihnen die Hoden entfernte und sie durch die Hoden heterosexueller Männer ersetzte.[11] Diese Versuche, homosexuelle Männer von ihrer sexuellen Orientierung zu befreien, können nur als grausame Menschenexperimente bezeichnet werden. Der Ethnologe Andreas Seeck nennt sie „Kastrationsversuche zwecks Umpolung von unglücklichen Schwulen.“[12] 

Man fragt sich, wieso die Stiftung ausgerechnet nach einem Sexualwissenschaftler benannt wurde, der Aussagen machte, die von Vertretern der Homosexuellenbewegung heute als homophob gebrandmarkt würden. So sieht es auch das Deutsche Ärzteblatt, das diese Namensgebung einen „Fehlgriff“ nennt.[13] 


[2] Webseite Magnus-Hirschfeld-Ufer, abrufbar unter http://www.hirschfeld.lsvd.de/index.php?option=com_content&view=article&id=12&Itemid=16
[3]
Herzer, M., Magnus Hirschfeld. Leben und Werk eines jüdischen, schwulen und sozialistischen Sexologen, Campus Verlag Frankfurt/New York 1992, S. 84.
[4] Hirschfeld, M., Geschlechtsverirrungen (Originaltitel: Geschlechtsanomalien und Perversionen), Verlag Guillaume Aldor A.G., Villefranche-Nice 1938, S. 227.
[5] Hirschfeld, M., Sappho und Sokrates, S. 15.
[6] Hirschfeld, M., Berlins Drittes Geschlecht, 1904, Neuauflage Verlag rosa Winkel 1991, S. 77.
[7] Hirschfeld, M., Geschlechtsverirrungen, S. 232.
[8] Hirschfeld, M., Berlins Drittes Geschlecht, 1904.
[9] Sadger, I., Jahrbuch 9, 1908, S. 424.
[10]
Christian counsellor's attempt to cure gay man was 'malpractice', The Telegraph vom 27.05.2011, abrufbar unter http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/8542895/Christian-counsellors-attempt-to-cure-gay-man-was-malpractice.html
[11] Herzer, M., Magnus Hirschfeld, S. 78.
[12] Seeck, A., Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit? LitVerlag Münster 2003, S. 227.
[13] Gerst, Thomas, Randnotiz: Namenlos wäre besser gewesen, abrufbar unter  http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=105859


* Peter Kratz über Magnus Hirschfeld: http://www.trend.infopartisan.net/trd7800/t357800.htm#anm2

Dienstag, 15. November 2011

Egozentrisch oder exozentrisch: Ich oder Gott?



Der anglikanische Pastor Rev. Mario Bergner beobachtet mit Besorgnis, wie der Individualismus der Postmoderne auch in den Kirchen Einzug hält. Meine „egozentrische“ Geschichte ersetzt die „exozentrische“ Geschichte Gottes und leugnet jegliche göttliche Autorität. Glaube ich noch, dass ich die Bibel so lesen kann, dass ich erkenne, was Gott gemeint hat – oder denke ich, das einzig Sichere sei mein Gefühl, das ich beim Lesen eines Bibelwortes habe?
"Die Postmoderne benutzt eine Epistemologie (Erkenntnistheorie), die eine Mischung aus subjektiven Erfahrungen, Gefühlen, unserer Kultur und Einflüssen unserer Zeit ist. Die Postmoderne behauptet, durch eigene Wahrnehmung und Erfahrung könne man sich besser der Wahrheit nähern als mit der Vernunft. … Der wichtigste Zugang zur Wahrheit (falls man das überhaupt so nennen kann) in der Postmoderne ist das Erzählen der eigenen Lebensgeschichte. … In den letzten zwanzig Jahren bekam „meine Geschichte“, wie sie von den sich als Christen bezeichnenden Angehörigen der LGBT-Community erzählt wurde, in den großen Kirchen ganz langsam den Vorrang vor „Gottes Geschichte“. Vergleichen Sie das einmal mit den Aussagen von Dr. Roberta Bayer über Augustinus, der die Bibel las, um zu erkennen, wie Gott ihn sah. Mit anderen Worten: In der Postmoderne bestimmt meine Geschichte wer ich bin, nicht Gottes Geschichte. Wenn wir und nicht Gott über unsere Identität entscheiden, dann definieren wir uns über unser eigenes Selbst, und das ist Egozentrismus. Martin Luther, ein Schüler von Augustinus, bezeichnete das als die innere Haltung der gefallenen Menschheit: der in sich selbst verkrümmte Mensch. Wenn wir auf Gott schauen, um unsere Geschichte im Lichte des Evangeliums zu verstehen, dann strecken wir uns nach etwas und Jemandem aus, der größer ist als wir: Jesus Christus. Damit werden wir durch einen Mittelpunkt außerhalb unseres Selbst und innerhalb von Gott definiert, und werden so exozentrisch. Wenn wir von unserer Position des gefallenen, in sich verkrümmten Menschen über uns selbst hinausreichen und dafür offen sind, dass Gott bestimmt, wer wir sind, betreten wir den Weg der Erlösung zu unserer christlichen Identität. Dies geschieht nur, wenn wir uns mit allem, was wir sind, dem gnädigen Einfluss von Christus überlassen. Dann kann unsere Geschichte zu unserem Zeugnis werden.

Jahrzehntelang beteiligte ich mich nur widerwillig an Diskussionen über Sexualität, die in der Episkopalkirche und in der Anglikanischen Gemeinschaft geführt wurden. Manchmal weigerte ich mich, bei solchen Diskussionen mitzuwirken, weil sie vom theologischen Diskurs zum Reden über verletzte persönliche Gefühle degenerierten. Im Nachhinein denke ich, dass es bei diesem Konflikt weder um konservative oder liberale Vorstellungen noch um Homosexualität oder Heterosexualität ging, sondern um zwei ganz verschiedene Erkenntnistheorien: postmodernes (nicht modernes) oder historisches Verständnis der Heiligen Schrift.

In einem Gespräch mit zwei Priestern, die sich als schwul bezeichneten, und Leitern verschiedener LGBT-Gruppen innerhalb der anglikanischen Church of England versuchte ich, die zwischen uns bestehende Kluft anhand eines Beispiels zu verdeutlichen. Ich zitierte Shakespeares berühmtes Sonett Nr. 18, das so beginnt: „Shall I compare thee to a summer’s day“ (Soll ich dich mit einem Sommertag vergleichen?) Und ich erzählte ihnen, wie einer meiner Studenten der Carnegie-Mellon-Universität, an der ich Ende der 1980er Jahre als Professor lehrte, mir nicht sagen konnte, was das Gedicht bedeutet, sondern nur seine egozentrische Reaktion darauf beschrieb. Ich fragte ihn: „Was meinte Shakespeare mit den Worten ’Sometime too hot the eye of heaven shines and often is his gold complexion dimmed?’” (Zuweilen scheint das Himmelslicht zu heiß, oft ist der Sonne goldenes Gesicht verdunkelt). Der Student beharrte darauf, es gehe dabei um die schlechte Laune seiner Freundin, als sie einmal auf ihn böse war. Ich widersprach ihm: „Shakespeare kannte doch deine Freundin überhaupt nicht. Was könnte denn Shakespeare mit dem scheinenden und verdunkelten Himmelslicht gemeint haben?” Darauf erwiderte er: „Das ist doch egal. Es geht nur darum, was ich bei diesen Worten fühle.” Shakespeares Worte waren nur Erweiterungen seines egozentrischen Gefühlszustands, was laut Jacques Derrida, einem der wichtigsten Propheten der Postmoderne, die einzige Möglichkeit sei, einen Text zu lesen. Ziemlich frustriert sagte ich, Shakespeare hätte mit ‚Himmelslicht’ ganz wörtlich die Sonne am Himmel gemeint und ‚Verdunkeln’ sei eine Metapher für das Älterwerden (in vielen von Shakespeares Sonetten findet man die Mahnung, zu heiraten und Kinder zu bekommen, bevor man zu alt dafür ist). Zu meiner großen Überraschung verteidigte einer der Priester den egozentrischen Ansatz des Studenten, Shakespeare zu lesen. An diesem Punkt der Diskussion sagte ich, worin meiner Meinung nach unser eigentlicher Konflikt bestand. Im Grunde gehe es weder um Schwule oder andere sexuelle Identitäten in der LGBT-Community, sondern darum, ob wir glauben, dass wir die Heilige Schrift so lesen können, dass wir erkennen, was Gott gemeint hat, oder ob wir denken, das einzig Sichere sei unser Gefühl, das wir beim Lesen eines Bibelwortes haben. Mit einem schmerzlichen Blick zeigte er, dass ihn meine Worte verletzt hatten. Da ich diese Dynamik auch schon oft in anderen Gesprächen erlebt hatte, versuchte ich, meine Frustration zu unterdrücken und erklärte: Wenn wir dieses Gespräch nur auf verletzte Gefühle reduzieren und keine vernünftige Diskussion über unsere theologischen Meinungsverschiedenheiten möglich ist, kommen wir nicht weiter voran. Das Gespräch endete bald darauf. Wir standen wie vor einer Mauer.“ …
Mario Bergner ist das, was man einen „Ex-Gay“ nennt. Er überwandt seine homosexuellen Gefühle und ist heute glücklicher Familienvater. Darüber hat er in der Vergangenheit offen berichtet, inzwischen hat er jedoch aufgehört, „seine Geschichte“ zu erzählen.

„Ich habe es schließlich aufgegeben, meine eigene Geschichte zu erzählen – nicht, weil sie es nicht wert ist, sondern weil sie nur als meine Geschichte verstanden wurde. Ich habe aber nicht einfach nur meine Geschichte erzählt, ich habe immer Zeugnis davon abgelegt, wie Jesus mächtig in meinem Leben gewirkt und angefangen hat, alle verwirrenden Botschaften über Homosexualität aus meinem Denken herauszubringen, die ich in der Kirche und in der Gesellschaft gehört habe. Ich hielt mich an Offenbarung 19,10b „Bete Gott an! Das Zeugnis Jesu ist der Geist der Weissagung.“ Wenn ich also Zeugnis ablege davon, was Jesus getan hat, wirkt dies wie ein prophetisches Wort, das Menschen dazu bringt, Gott anzubeten. Trotzdem haben viele mein Zeugnis nur wie alle anderen postmodernen egozentrischen Geschichten behandelt, die genauso wahr oder unwahr sind wie die Geschichte der beiden schwulen episkopalen Priester. … Wenn man versucht, sich mittels der postmodernen Epistemologie der „persönlichen Geschichte“ der Wahrheit zu nähern, verliert Gottes Geschichte ihre Autorität und Kraft, den Menschen in der LGBT-Community sexuelle Erlösung anzubieten.      

Als die Sadduzäer Jesus zur Ehe und zur Auferstehung befragten, antwortete er ihnen: „Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch die Kraft Gottes.“ (Matthäus 22,29a). Dies gilt heute auch für viele Vertreter der Episkopalkirche und der großen Kirchen." 


Zitate: © 2011 Mario Bergner: “Is Sexual Redemption Optional?”

Donnerstag, 3. November 2011

"Wir werden diskriminiert!" - Der gemeinsame Schlachtruf von Ultras und Homo-Lobby


Anderen ihre eigenen Spielregeln aufzwingend, marschieren die Fußball-Ultras krakeelend und randalierend in die Stadien, um bengalische Fackeln abzubrennen. Wenn sie dann zur Ordnung gerufen werden, schreien sie entrüstet: „Wir wollen doch nur spielen!“ Sie übernehmen immer mehr die Vorherrschaft über die unorganisierten Fans und kümmern sich nicht darum, dass sie den anderen das Spiel verderben. Hauptsache, sie haben ihren Spaß. Ein erzürnter Leser der Frankfurter Rundschau schrieb: „Mit menschenverachtenden Schmähgesängen gegen Spieler und Fans der gegnerischen Mannschaft und dessen Fans, die als Performance ‚getarnt’ diesen frustrierten unbedeutenden Primaten die Möglichkeit verschaffen, endlich mal einen kleinen Hauch von Macht und Autorität auszuüben, bevor sie am Samstagabend Alkohol-glückseelig in ihr Leben als einer der ‚Verantwortlichen’ von Dynamo Dresden oder Eintracht Frankfurt zurückkehren. Dann werden unter der Woche, wie zu Saisonbeginn in München geschehen, Verhaltensmaßregeln gegen den eigenen Torwart erarbeitet, oder in Internetforen wird klargestellt, dass ein Manuel Neuer, alles was er erreicht hat, nicht etwa seinem Talent, oder seinem Fleiß, sondern nur den Schalke-Ultras zu verdanken hat. Das ist an Größenwahn kaum zu überbieten.“ Und weil man der von immer mehr Ultras verübten Gewalttätigkeit Grenzen setzen will, geht nun der Aufschrei durch das Land: „Wir werden diskriminiert!“

Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Die permanent empörte Homosexuellen-Lobby versucht ebenfalls, mit Lautstärke wett zu machen, was ihr an Überzeugungskraft fehlt. Gehört zu ihr doch auch nur eine Minderheit aller homosexuell empfindenden Männer und Frauen, die ganz unorganisiert und still ihr Leben führen und sich angewidert vom schamlosen Spektakel der CSD-Paraden abwenden. Wer ein Wort gegen den schwulen Lebensstil sagt und die Parolen der Gay-Aktivisten in Zweifel zieht, wird als homophob niedergeschrieen. Harmlose Demonstranten und Redner müssen vor ihnen mit großem Polizeiaufgebot geschützt werden. Im eigenen Größenwahn gefangen, fordern sie vehement Toleranz & Akzeptanz für ihren Lebensstil und dulden keinen Widerspruch. Und wer ihre infantile Forderung nach Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe nicht erfüllt, wird angeklagt und vor Gericht gezerrt: „Wir werden diskriminiert!“

Freitag, 8. April 2011

Weshalb ein Homosexueller gegen die Homo-Ehe ist

Richard Waghorne ist Forschungsstipendiat der "School of Politics and International Relations" am University College Dublin und schreibt als politischer Kommentator für irische Zeitungen. Am 5. April veröffentlichte er den Artikel GAY MARRIAGE in der Irish Daily Mail und erklärte, weshalb er – ungeachtet seiner eigenen Homosexualität – gegen die Homo-Ehe ist.

Einige Passagen dieses mutigen und bemerkenswerten Statements habe ich übersetzt:


Wenn man als schwuler Mann zu erklären versucht, weshalb man gegen die Homo-Ehe ist, stiftet man erst einmal Verwirrung. Das ist durchaus verständlich, denn man weiß ja, wie schnell eine Diskussion über die Homo-Ehe aus dem Ruder geraten kann und man dem Vorwurf der Homophobie ausgesetzt wird. Damit wird oft die offene oder versteckte Botschaft vermittelt, wer gegen die Homo-Ehe ist, sei auch gleichzeitig gegen Schwule.(…)

Die reflexartige Reaktion vieler Verteidiger der Homo-Ehe geht dahin, jeglichen Widerspruch als Vorurteil hinzustellen. Jeder, der die in dieser Form bis dato bestehende Ehe verteidigt, so wird behauptet, sei entweder bigott oder habe sein seelisches Gleichgewicht verloren.

Homosexuelle sollten jedoch das traditionelle Eheverständnis genauso vehement wie alle anderen verteidigen. Wenn dieses im Namen der Homosexuellen mit Folgen für kommende Generationen unterminiert wird, ist es umso wichtiger, dass Schwule, die gegen die Homo-Ehe sind, dies auch öffentlich sagen.

Seit dieser Woche können gemäß dem letztes Jahr beschlossenen Gesetz eingetragene Partnerschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren ganz offiziell geschlossen werden. Damit stehen homosexuellen Paaren nun fast alle rechtlichen Möglichkeiten offen. Viele von uns kennen Leute, die jetzt oder in Zukunft davon profitieren. Um ein häufig strapaziertes Klischee zu benutzen, könnte man jetzt sagen: feiert den Sieg und geht heim.(…)

Die Ehe ist nicht dafür da, Menschen, die sich verlieben und ihrer Beziehung Dauer verleihen wollen, einen gesellschaftlichen Bonus zu vermitteln. Das heißt natürlich nicht, dass Liebe und Romantik unwichtig für eine Ehe wären – sie sind nur nicht der Grund für ihren besonderen Status. Wenn die Ehe wegen romantischer Gefühle geschützt werden sollte, dann gäbe es keinen Grund, zu unterscheiden, welche Beziehungen darunter fallen und welche nicht. Mit dem Wesen der Ehe hatte und hat das jedoch nichts zu tun.

Die Ehe ist ein lebenswichtiger Rahmen, innerhalb dessen Kinder von einem Mann und einer Frau großgezogen werden können. Natürlich kommen nicht in allen Ehen Kinder zur Welt. Und es gibt auch schon gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder aufziehen. Aber die Wirklichkeit sieht doch so aus, dass Ehen generell auf Kinder ausgerichtet sind und gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht.(…)

Wenn ich oder meine schwulen Freunde eingetragene Partnerschaften schließen, dann ist es viel unwahrscheinlicher, dass wir auch Kinder aufziehen werden. Es geht also um folgende Frage: Weshalb sollte trotz dieses fundamentalen Unterschiedes eine homosexuelle Beziehung einer Ehe gleichgestellt werden?

Eine Fülle von Forschungspublikationen hat gezeigt, dass die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau das günstigste Lebensumfeld für Kinder ist und dass Kinder aus stabilen Ehen in vielen Bereichen am besten abschneiden. Damit sollen natürlich andere Familien nicht diskreditiert werden, es unterstreicht jedoch die Bedeutung der Ehe als Institution.

Aus diesem Grund ist die Forderung nach einer Homo-Ehe doppelt falsch. Diese Forderung impliziert nicht, die Ehe auf Schwule auszuweiten, sondern sie neu zu definieren. Das Verständnis der Ehe als bestehende und um starker Familien zuliebe unterstützte Institution verändert sich dahingehend, die Ehe nur noch als Schlusspunkt einer Liebesbeziehung zu sehen. Wenn man homosexuellen Paaren die gleiche Ehefähigkeit zuerkennt, obwohl homosexuelle Partnerschaften nicht auf Kinder ausgerichtet sind und per Definition einem Kind weder Mutter noch Vater bieten können, dann ist das wesentliche Verständnis davon, was eine Ehe tatsächlich ist, verlorengegangen.

Bei einer solchen Ehe rangieren die Erwachsenen vor den Kindern. Ich halte das für ausgesprochen selbstsüchtig und einen viel zu hohen Preis für eine symbolische Geste der Gleichbehandlung heterosexueller und homosexueller Beziehungen. Es ist ja auch nur eine symbolische Geste. Entspricht es nicht dem gesunden Menschenverstand, unterschiedliche Situationen unterschiedlich zu behandeln? Meine persönliche Meinung: Ich fühle mich nicht im Geringsten diskriminiert, weil ich keinen Angehörigen meines eigenen Geschlechts heiraten kann. Ich verstehe und akzeptiere, dass es dafür gute Gründe gibt.(…)

Die breite Unterstützung der Homo-Ehe heutzutage ist eher eine instinktive Reaktion und kommt daher, dass keiner in den Verdacht geraten will, er sei gegen Schwule.(…)

Es ist jetzt an der Zeit, einmal richtig über die Homo-Ehe zu diskutieren. Dabei darf aber keiner länger das Gefühl haben, er sei gegen Schwule, wenn er die Homo-Ehe nicht blind befürwortet. Nur dann kann der wichtigste und wahre Grund, weshalb die traditionelle Ehe unterstützt werden sollte, wieder in den Vordergrund treten. Was den Kindern unserer Nation am besten dient, muss an erster Stelle stehen.


Mit seinem Artikel hat Richard Waghorne ein starkes Echo in den Medien ausgelöst und eine Erwiderung geschrieben, in der er betont:

Die Homo-Ehe hat Auswirkungen auf alle Ehen, weil damit das Eheverständnis der Öffentlichkeit verändert wird… Es ist völlig falsch, die Ehe neu definieren zu wollen, nur um Homophobie zu bekämpfen. Hiermit unterwirft man eine Institution, die dem Kindeswohl dient, einer anderen Sache.

Donnerstag, 7. April 2011

Israelische Kibbuzfrauen und die Frauenquote

Der amerikanische Kulturanthropologe und Psychoanalytiker Melford E. Spiro veröffentlichte 1979 eine Studie zum Thema "Frauen und Gender in der israelischen Kibbuzbewegung". Sie genießt den zweifelhaften Ruhm, in der riesigen Fülle der seither erschienenen Bücher, Artikel, Zusammenstellungen, Bibliografien und Rezensionen, die sich mit vergleichenden Studien zum Thema Frauen und Gender befassen, so gut wie niemals zitiert worden zu sein. Wer die Studie gelesen hat, ahnt den Grund.

In der aktuellen Debatte um die Einführung einer Frauenquote ist Spiros Artikel Gender und Gesellschaft eine erhellende Lektüre! Denn er zeigt, weshalb die Phantastereien der Gender-Theoretiker im Alltagsleben grandios scheitern müssen. Es waren ausgerechnet Frauen, die die Absurdität des Gender-Wahnsinns vorführten, indem sie eine weibliche Gegenrevolution gegen die feministische Revolution wagten. Und weil das politisch inkorrekt ist, fiel diese provokante Studie einfach unter den Tisch.

Dienstag, 5. April 2011

Sexualethik und Kultur

"Jede menschliche Gesellschaft hat die Freiheit, sich zu entscheiden, ob sie hohe soziale Energie oder sexuelle Freizügigkeit will. Die Fakten zeigen, dass beides gleichzeitig nicht länger als eine Generation möglich ist."
Joseph Daniel Unwin

Welche Folgen hat es, wenn eine Gesellschaft ihre sexuellen Normen aufgibt? J.D. Unwin hat in einer umfassenden Studie über achtzig Stammes- und sechs Hochkulturen untersucht und kam zu folgendem Ergebnis: Je größer die sexuelle Beschränkung in einer Gesellschaft, desto höher das kulturelle Niveau; je geringer die sexuelle Beschränkung, umso niedriger das kulturelle Niveau.

Eine Zusammenfassung dieser Studie kann man hier lesen.