Mittwoch, 21. Dezember 2016

Traumatisierung und männliche Homosexualität



Der erfahrene US-Psychologe Dr. Joseph Nicolosi beleuchtet die Verbindung zwischen männlicher Homosexualität und einem erlittenen Trauma. Bedeutungsvoll ist seine Schlussfolgerung, die er am Ende seines Artikels zieht:  

"Vom Vater zum Sohn, Enkelsohn und Ur-Enkelsohn verbindet der Same eines Mannes ihn mit allen Generationen. Über seine DNA lebt er in anderen Menschen weiter. Wenn sein Same in den Leib einer Frau eingepflanzt wird, entsteht menschliches Leben. In homosexuellem Sex wird aus dem Keim des Lebens nur Zerfall und Tod.
Durch den natürlichen Geschlechtsakt wird die menschliche Rasse erhalten und der Mann lebt über künftige Generationen weiter. In einem aus einem traumatischen Erlebnis resultierenden  Geschlechtsakt jedoch, der seine körperliche Natur verletzt, erzeugt seine Schöpfungskraft Tod und Zerstörung. So zeigt sich die Weisheit des Körpers in diesem Gegensatz: neues Leben oder Zerfall und Tod.
Es ist deshalb kein Wunder, dass in der Schwulenszene so viel Unzufriedenheit herrscht: nicht allein durch die ablehnende Haltung der Gesellschaft, sondern weil ein Mann, der in dieser Welt lebt, die Sinnlosigkeit einer schwulen Identität empfindet. Er weiß, dass mit ihm die lange Linie seiner Vorfahren, die Jahrhundertelang durch die normale Ehe miteinander verbunden waren, abgebrochen wird.
In der wirklichen Welt ist eine schwule Identity sinnlos. Homosexualität hat nur eine Bedeutung als Symptom und als erotisierter Versuch, einen Bindungsverlust zu reparieren."

Hier geht es zum Originalartikel

Dienstag, 24. September 2013

Der Mythos von Matthew Shepard

Im Kampf gegen angebliche „Homophobie“ werden immer wieder Geschichten konstruiert, die sich nach gründlicher Recherche als Mythos erweisen. So wurde beispielsweise der Christopher Street Day von der Homosexuellenlobby für diesen Zweck instrumentalisiert und zur Legende stilisiert.  

Ein ähnlicher Fall von Legendenbildung geschah im Jahr 1998 in den USA. Im Oktober desselben Jahres wurde der homosexuelle Student Matthew Shepard in Laramie/Wyoming von zwei Männern, Aaron McKinney und Russell Henderson, brutal ermordet. Die Täter wurden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, wobei ihr Tatmotiv jedoch nicht abschließend geklärt werden konnte. Während der Gerichtsverhandlung erzählten die beiden Angeklagten unterschiedliche Tatverläufe und nutzen dabei auch die sogenannte Gay Panic Defence: Sie argumentierten, dass sie sich durch die Homosexualität Shepards bedroht gefühlt hatten. Ein anderes Mal sagten sie aus, sie hätten Shepard nur ausrauben wollen und hätten nie vorgehabt, ihn zu töten.

Der Fall erregte großes Aufsehen. Internationale Medien schrieben, die Täter hätten Shepard wegen seiner Homosexualität umgebracht, weshalb die Tat in der öffentlichen Diskussion fast durchgängig als homophobes „Hate Crime“ (Hassverbrechen) bezeichnet wurde. Dies rief den wütenden Protest homosexueller Bürgerrechtsbewegungen auf den Plan. Sogar die Unterhaltungsindustrie widmete sich dem Leben und Sterben des jungen Mannes in eigens komponierten Liedern, Filmen, einem Theaterstück und einer Dokumentation. Matthew Shepard wurde posthum als schwuler Märtyrer und „Ikone der Schwulenbewegung“[1] präsentiert. Die Verehrung des ermordeten Studenten ging so weit, dass der Zaun, an den die Männer ihn gebunden hatten, Ziel zahlreicher Pilgerfahrten wurde. Seine Eltern gründeten Ende 1998 die Matthew Shepard Foundation und seine Mutter veröffentlichte 2009 eine Biografie ihres Sohnes. Das Verbrechen hatte auch politische Auswirkungen: Es führte zu dem Matthew Shepard and James Byrd, Jr. Hate Crimes Prevention Act, aufgrund dessen seit Ende 2009 in den USA ein sogenanntes „Hate Crime“ gegen Homosexuelle mit höheren Strafen belegt wird. 

Im September 2013 trat eine Wende ein. Der homosexuelle Journalist Stephen Jimenez publizierte das Buch "The Book of Matt: Hidden Truths About the Murder of Matthew Shepard", in dem er nach 13 Jahren intensiver Recherche zu dem Schluss kommt, dass der Mord an Shepard kein homophobes Hassverbrechen war, sondern im Zusammenhang mit Drogenhandel geschah. Für das Buch interviewte er über 100 Personen aus Shepards Freundeskreis, Freunde der Täter und die Täter selbst. Laut Jimenez hatte Shepard mit Methamphetamin gehandelt und eine sexuelle Beziehung zu Aaron McKinney, einem seiner Mörder, gehabt. Der Journalist vermutet, dass Matthew Shepard ermordet wurde, weil er in den Besitz einer großen Menge dieser Droge gelangt sei.

Zahlreiche US-Medien berichten jetzt über das Buch und stellen unbequeme Fragen.
Aaron Hicklin schreibt in der Homosexuellen-Zeitung The Advocate[2]: „Have We Got Matthew Shepard All Wrong? A new book argues that America’s most notorious hate crime was not a hate crime at all.”  Wenn das stimmt, was Jimenez herausfand, so Hicklin, werfe dies ein völlig neues Licht auf ein Verbrechen, das alle Welt  als homophobes Hate Crime ansieht, bei dem jedoch Täter und Opfer einander kannten, Sex miteinander hatten und gemeinsame Drogengeschäfte betrieben.
Der Anwalt und Buchautor Kenneth S. Stern fragt im Jewish Daily Forward[3]: „But what if an effort to counter hate is based on an inspirational story – and that story is a lie?” Stern, anerkannter Experte für Hate Studies und Hassgruppen, hält die Aussagen von Stephen Jimenez für glaubhaft.
Der Anwalt Ben Shapiro spricht von der „Macht des linken Mythos“[4] und zitiert den bekannten Radiotalkmaster und Journalisten Dennis Prager: „[He] has wisely observed that to the left, truth is not a value.
Ideology is a value. And so the myths of Shepard … must live on. That's because the left understands that narrative drives hearts and minds, rather than argument.“
Nach Ansicht von Joseph Farah, Chefredakteur von WorldNetDaily, waren in der Berichterstattung der US-Medien die „Fakten“ Opfer der Emotionen: “Shepard was not a martyr in the battle with homophobia. He was simply the victim of consensual homosexual relationship gone bad – as too many do. … Shepard has achieved a degree of sainthood in the homosexual movement. He became the poster boy for hate-crimes laws, movies, songs, books, scholarships and disinformation galore. He’s been an icon of the phony war on homophobia that has chilled free speech and free association. … The question arises: Now that the truth has finally been told, will it make any difference? Will those who wrongly politicized his death with falsehoods and mischaracterizations apologize? Will the foundations that mythologized his murder give up their assets and close their doors? Will the politicians who turned the rule of law upside-down under false pretenses repeal their hideous acts that defraud the First Amendment and impose thought crimes on the public? … Once truth is no longer important, people are incapable of governing themselves effectively. They become irrational. They make decisions based purely on emotional reactions unconnected with reality. … And that’s what will continue to happen to American politics and culture when the “facts” are dictated by the emotions of those who want to justify their own hedonism in a false flag of heroism, victimhood, virtue and innocence.“[5]

Wie wird nun die Öffentlichkeit und insbesondere die Presse auf die neue Faktenlage reagieren? Wird die Homophobie-Geschichte weiter aufrecht erhalten oder hat man den Mut, zuzugeben, dass man sich geirrt hat? Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, bei der in 23 Sprachen ein Artikel über Matthew Shepard zu finden ist, wird sich vermutlich schwer damit tun. Es ist aufschlussreich, was einer der US-Editoren zur aktuellen Sachlage bemerkt: „I'm concerned that the book represents a minority viewpoint and is UNDUE for this biography, specifically, ‘If a viewpoint is held by an extremely small (or vastly limited) minority, it does not belong in Wikipedia regardless of whether it is true or not and regardless of whether you can prove it or not, except perhaps in some ancillary article’." Wenn die Wirklichkeit dem Mainstream zuwider läuft und nur eine „Mindermeinung“ widerspiegelt, wird sie es schwer haben, gegen einen Mythos anzukommen.


[1] Süddeutsche Zeitung am 17.5.2010
[2] http://www.advocate.com/print-issue/current-issue/2013/09/13/have-we-got-matthew-shepard-all-wrong?page=full
[3] http://forward.com/articles/183494/what-if-matthew-shepards-murder-wasnt-an-anti-gay/?p=all#ixzz2ebPpJ9S5
[4] http://townhall.com/columnists/benshapiro/2013/09/19/matthew-shepard-trayvon-martin-and-the-power-of-leftist-myth-n1704035

Sonntag, 9. Juni 2013

Wenn die Dämme brechen

Wir erleben derzeit eine der schwersten Hochwasserkatastrophen der deutschen Geschichte. Historische, nie dagewesene Wasserhöchststände. Ein Damm nach dem anderen bricht, ganze Stadtteile werden überflutet. Die Menschen sind verzweifelt. Zeitungen reden von einer "Sintflut". In einer MDR-Radiosendung wird die Frage gestellt: "Die Sintflut – eine Warnung an uns?"  

Warnung oder Gottesgericht, wer kann das wissen. 

Die Dammbrüche sind aber ein Bild dafür, welche ethischen Dammbrüche in dieser Zeit mit rasender Geschwindigkeit vor sich gehen: "Das Bundesverfassungsgericht macht Schluss mit der althergebrachten Definition von Ehe, wie sie die katholische Kirche und die CSU immer noch vorbeten," triumphiert der SPIEGEL. Die "Homo-Ehe" wird Stück für Stück der traditionellen Ehe gleichgestellt und es werden unheilvolle Weichen gestellt. In Richtung Mehrehe und Geschwisterehe. Nur wenige begreifen, was es für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn die Ehe ihre Bedeutung verliert. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, macht es deutlich:
Mit seiner heutigen Entscheidung untergräbt ausgerechnet das Bundesverfassungsgericht die Verfassung. Dass in Artikel 6 GG Ehe und Familie „dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ anvertraut werden, wird mit dem heutigen Richterspruch obsolet. Die Begriffe „Ehe und Familie“ bleiben zwar als wertlose Hülle inhaltlich ausgezehrt noch stehen, werden aber in ihrer Bedeutung verkannt.
An den Schutzdeichen wird mit Sandsäcken verzweifelt versucht, die Flut aufzuhalten, um Städte und Dörfer zu retten.
Deichwachen müssen aufgestellt werden, weil Verrückte mit Sprengungen drohen.

Wer aber hindert die zerstörerischen Kräfte, die dabei sind, die Grundfesten unserer Gesellschaft zu untergraben?

Freitag, 21. Dezember 2012

Aufgewachsen bei meinem homosexuell lebenden Vater


Ein Interview mit Dawn Stefanovicz

Catholic World Report


Die „gleichgeschlechtliche Ehe“ ist Ausgangspunkt kontroverser Diskussionen und wird in den Medien ausführlich behandelt. Im Eifer des Gefechts wird jedoch oft ein zentraler Punkt übersehen, meint die kanadische Publizistin Dawn Stefanowicz: Welchen Einfluss hat das Aufwachsen in einem gleichgeschlechtlichen Elternhaus auf die Kinder?

Dawn wurde in Toronto geboren. Ihr Vater, ein erfolgreicher Geschäftsmann, war schon in jungen Jahren homosexuell aktiv. Da er sich Kinder wünschte, schloss er eine Ehe, aus der Dawn und zwei Söhne hervorgingen, einer davon ist ihr Zwillingsbruder. Nachdem Dawns Mutter mit ihr und ihrem Bruder schwanger geworden war, beendete der Vater seine sexuelle Beziehung zu seiner Frau und unterhielt homosexuelle Beziehungen an allgemein bekannten Schwulentreffpunkten in Kanada und USA. Zu vielen dieser Plätze nahm er Dawn schon als Kind mit. Zahlreiche schwule Liebhaber brachte der Vater auch mit nach Hause. Er starb mit einundfünfzig Jahren an AIDS.

Heute lebt Dawn in Ontario in Kanada. Sie setzt sich öffentlich für das Recht des Kindes ein, in Familien mit Vater und Mutter, die zudem miteinander verheiratet sind, aufzuwachsen. Entschieden verteidigt sie die Ehe als die Verbindung zwischen Mann und Frau.

Dawn ist seit 28 Jahren verheiratet und hat mit ihrem Mann zwei heranwachsende Kinder. 2007 veröffentlichte sie ihr Buch Out from Under – The Impact of Homosexual Parenting, in dem sie über ihre Erfahrungen des Aufwachsens in der GLBT-Welt berichtet. [GLBT: Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender; deutsch: Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender.]


Warum haben Sie sich entschlossen, Ihre Geschichte des „Aufwachsens in der Schwulen-Lesben-Bisexuellen-und-Transgender-Welt“ öffentlich zu machen?

D. Stefanowicz: Ich fühlte mich dazu verpflichtet. 2004 sprach ich in Ottawa öffentlich vor dem kanadischen Senatsausschuss für Rechts- und Verfassungsfragen. Ich forderte dort, die „sexuelle Orientierung“ nicht der bestehenden Gesetzgebung über Hassdelikte (hate crime) hinzuzufügen, weil das zu einer Einschränkung der Rede- und Religionsfreiheit führt.
Im selben Monat erzählte ich auch vor einem Schulausschuss meine Geschichte. Als ich zu reden anfing, begannen sofort schwule Aktivisten, die man mit Bussen herangebracht hatte, mich so anzubrüllen, dass man nicht mehr hören konnte, was ich sagte. – Ich mag den Ausdruck „gay“ („schwul“) nicht, aber er ist heute üblich, so gebrauche ich ihn. – Ein halbes Dutzend Mal wurde ich unterbrochen. Ich bangte um meine Sicherheit und musste einen Wachmann bitten, mich zum Auto zu begleiten. Zuhause begann ich, mein Buch zu schreiben. Ich wollte meine Erfahrungen, wie ich in einem gleichgeschlechtlichen Haushalt aufgewachsen bin, anderen mitteilen.

Besonders hat Sie belastet, dass Sie in Ihrer Kindheit und Jugend zuhause keine monogame Beziehung erlebt haben.

D. Stefanowicz: Ja. Nur weil unsere Eltern „verpartnert“ sind, heißt das noch nicht, dass sie monogam leben. Monogamie in der Schwulengemeinschaft bedeutet „serielle Monogamie“, das heißt, man hat einige Monate lang einen Partner und begibt sich dann erneut auf die Suche – oder man lebt in einer längeren Beziehung, hat aber nebenher noch mehrere andere Partner. Studien zeigen, dass die meisten männlichen homosexuellen Beziehungen innerhalb des ersten Jahres zu sexuell offenen Beziehungen werden. Ein kürzlich in der New York Times erschienener Artikel hat das bestätigt: Fünfzig Prozent der gleichgeschlechtlichen „Ehen“ öffnen sich innerhalb des ersten Jahres weiteren Geschlechtspartnern. Mein Vater konnte in einer „festen“, auf Dauer angelegten Beziehung leben, aber es gab die Vereinbarung mit seinem Partner, dass sie auch andere Sexualpartner haben würden.

Mir fehlte in meiner Kindheit und Jugend der engere Kontakt zu gewöhnlichen heterosexuellen Paaren. In unserem Haus gingen die Partner meines Vaters und seine männlichen Freunde ein und aus, und oft musste ich mit zu Treffen der GLBT-Szene. Ich war noch ein Kind, und doch war ich mit offenen sexuellen Handlungen konfrontiert. Zum Beispiel: Als ich etwa neun Jahre war, führte mich mein Vater in einen Sex-Shop in der Innenstadt. Er sagte, er wolle mich mit Sexualität vertraut machen, damit ich nicht prüde würde. – Es war kein Gespür dafür vorhanden, dass Sexualität etwas mit Privatsphäre zu tun hat. Sex war sehr öffentlich, das gehörte zur schwulen Kultur dazu.
Mein Vater nahm mich auch mit, um mir Werke schwuler Künstler zu zeigen, deren Gemälde und Skulpturen offensichtlich Phallussymbole enthielten. Er nahm mich an Nacktstrände mit, wo sich schwule Männer trafen. Er wollte, dass ich mich auch ausziehe, aber das habe ich nicht getan. An diesen Orten waren die Männer mit „Cruising“ beschäftigt, das heißt, sie machten einander sexuelle Angebote. Ganz in der Nähe gab es Bereiche, wo man dann zum Sex hinging. Es war ein Netzwerk: Sollte die Polizei heranrücken, informierte man einander und stoppte alle sexuellen Handlungen.
Es war noch vor dem Zeitalter des Internets, doch hatte die Schwulengemeinschaft bereits ein unglaubliches Netzwerk ausgebaut, um sich über die Treffpunkte zu verständigen, an denen man einen „Quickie“ [schnellen Sex] haben konnte. Das konnten öffentliche Strände, Sporthallen und sogar Parks sein, in denen nebenan Kinder spielten. Mein Vater fuhr zum Cruising an alle möglichen Orte in ganz Kanada. Er reiste dazu auch gerne in die USA; zu seinen Lieblingsstädten gehörten San Francisco, Miami und Fort Lauderdale. Man konnte beim Cruising innerhalb von Minuten jemanden finden und dann irgendwo Sex haben.
In der Nähe seines Büros, in der Innenstadt, unterhielt mein Vater auch ein Apartment, wo er sich mit jemandem für schnellen Sex treffen konnte.
Als ich in der zehnten Klasse war, war ich einmal sehr aufgeregt, weil mein Vater mit in die Schule kam, um mir bei meinem Auftritt in der Musikband zuzusehen. Das hatte er noch nie gemacht. Ich sah dann, wie sich seine Augen weit öffneten, als er all die Teenager-Jungen sah, die auf der Bühne mit mir auftraten. Da wurde mir bewusst, dass er nicht meinetwegen gekommen war, sondern weil er junge Männer abschleppen wollte.

Als Sie älter wurden, hat Ihr Vater Sie auch als „Lockmittel“ benutzt, um junge Männer anzuziehen, mit denen er gerne Sex haben wollte.

D. Stefanowicz: Ja. Er sagte mir, ich solle mich aufreizend anziehen und dieses oder jenes Top tragen, und wir würden Cruising machen. Auch wenn ein Mann sich als schwul bezeichnen mag, wusste mein Vater doch, dass sie attraktive junge Frauen mögen. Es konnte auch eine Möglichkeit sein, um bisexuelle oder heterosexuelle Männer anzulocken.
Mein Vater bevorzugte gut gekleidete, „saubere“, „ordentliche“ Männer, die etwa zehn Jahre jünger waren als er. Es waren immer jüngere Männer, nie gleichaltrige oder ältere. Ich kenne viele schwule Männer, die eine Vorliebe für heranwachsende Jungen haben, für solche, die gerade erst in die Pubertät gekommen sind. Die Männer hielten Ausschau nach Jungen, die keinen Vater hatten und an diesem Punkt verletzlich waren.

Haben Sie nicht protestiert, auf diese Weise von Ihrem Vater benutzt zu werden?

D. Stefanowicz: Ich mochte es nicht, aber ich war hin- und hergerissen. Ich wollte meinem Vater gefallen und Zeit mit ihm verbringen. Letztlich suchte ich seine Liebe und Anerkennung, dass er mich wertschätzt und bestätigt. Doch stattdessen brauchte er meine Bestätigung.  

Ihr Vater brachte auch viele Männer zum Sex mit nachhause.

D. Stefanowicz: Ja. Das gehörte zu meiner Kindheit in einem homosexuellen Umfeld. Es war für Kinder kein sicheres Umfeld. Damals benutzte man noch keine Kondome. Man wusste noch nichts von AIDS. Als ich Jahre später meinem Hausarzt von meinem Aufwachsen erzählte, musste ich dieselben Bluttests machen wie diejenigen, die homosexuelle Beziehungen haben.
In unserem Partyraum wohnten immer wieder verschiedene Männer für eine gewisse Zeit. Als mein Vater etwa 30 war, lebte ein 18-jähriger Künstler bei uns. Mein Vater und er hatten eine sexuelle Beziehung und gingen zum Cruising entweder gemeinsam oder jeder für sich alleine aus. Es konnte auch sein, dass sie dann Männer zum Gruppensex mit nachhause brachten. Ich habe als Kind sehr viel gesehen. Es waren keine schönen Bilder.
Mein Zwillingsbruder hat einmal den Gruppensex beobachtet. Er konnte nicht verstehen, warum Vater andere Männer küssen, aber ihm gegenüber keine Zuneigung zeigen konnte.

Wurden Sie sexuell missbraucht?

D. Stefanowicz: Ich habe Bilder in meinem Kopf, wie ich sexuell missbraucht wurde; ich hatte Alpträume davon. Meine Mutter bestätigte, dass ich als Kleinkind von meinem Vater sexuell missbraucht wurde. Die Bilder in meinem Kopf, in denen mein Vater und andere Männer beteiligt waren, konnte sie aber nicht bestätigen. Andere Menschen, die als Kinder und Jugendliche in homosexuellen Haushalten aufwuchsen, erzählten mir auch, dass sie missbraucht wurden. In einer solchen Umgebung ist das Risiko für sexuellen Missbrauch höher.

Waren die Partner Ihres Vaters nett zu Ihnen?

D. Stefanowicz: Gelegentlich haben sie für mich gekocht, mir bei den Schularbeiten geholfen oder sind mit mir irgendwohin gegangen. Aber sie waren nicht wirklich für mich und meine Brüder da. Sie waren für meinen Vater da. Meine Brüder und ich hatten nicht den Eindruck, dass wir ihnen wichtig waren. Obwohl verschiedene Männer jeweils eine Zeitlang bei uns mitlebten, waren sie doch nie wie ein Elternteil oder ein Familienmitglied für uns.
Ich sollte noch hinzufügen: Mir als Frau brachte man gar keine Wertschätzung entgegen, ich fühlte mich weder verstanden noch geliebt. Es war eine erniedrigende Umgebung. In Bezug auf Geschlecht und Geschlechtsidentität gab es viel Verwirrung. Mein Vater zog sich manchmal Frauenkleider an. Es konnte auch sein, dass einer der Freunde meines Vaters eine „Pseudo-Frauen“-Rolle einnahm.

Sie sind viel mit dem Tod in Berührung gekommen.

D. Stefanowicz: Ja. Einige der Freunde meines Vaters haben Selbstmord begangen. Andere sind an AIDS gestorben. Ich habe selbst miterlebt, wie mein Vater an AIDS gestorben ist.

Wo war Ihre Mutter die ganze Zeit?

D. Stefanowicz: Seit dem Alter von 18 hatte meine Mutter schweren Diabetes. Sie war eine schwache Person. Sie war verletzt und einsam. Sie protestierte nicht offen gegen das, was vor sich ging. Sie sah die Dinge und ging ihnen aus dem Weg. Wegen ihrer Krankheit und ihrer Passivität musste ich als Kind mit acht Jahren schon viel Verantwortung tragen. Das meiste am Kochen und Putzen musste ich übernehmen.
Als meine Eltern heirateten, hatte mein Vater von Anfang an nicht vor, meiner Mutter treu zu sein. Er hatte sie geheiratet, weil er Kinder wollte. Nachdem meine Mutter mit meinem Zwillingsbruder und mir schwanger geworden war, war ihre sexuelle Beziehung zuende.
Meine Mutter schloss sich meinem Vater an, wenn er in die Szene ging. Während meiner Teenagerzeit ließ sich meine Mutter auch mit einer Frau ein. Ich weiß noch, dass die Partner meines Vaters meiner Mutter die Haare frisierten, sie kämmten und ihr die Lockenwickler eindrehten.

Haben Sie Ihren Vater gehasst?

D. Stefanowicz: Nein. Ich habe ihn immer geliebt – auch wenn das, was er tat, eine riesige Belastung für mich war und mir Einsamkeit und Alpträume bescherte. Ich war zornig auf ihn, weil er seine Bedürfnisse über die meinen stellte. Ich hatte das Gefühl, dass immer die Gefahr bestand, dass er mich fallen ließ – so wie er so viele seiner Partner fallen ließ. Ich suchte seine Liebe, doch er konnte mir keine Zuneigung geben.
Als er im Sterben lag, habe ich sehr für ihn gebetet. Ich wollte ihm vergeben und in Frieden mit ihm sein. Ich habe ihm vergeben.

Wie ging es ihm in seinen letzten Jahren?

D. Stefanowicz: Er hatte Schwierigkeiten beim Laufen, so dass es schwer für ihn war, in die Cruising-Gebiete zu gelangen. Als Folge von AIDS hatte er violette Flecken in seinem Gesicht und an seinem Körper. Er versuchte, sie mit Kosmetik, langen Ärmeln und langen Hosen zu verdecken. Er verlor an Gewicht und auch an Energie. Er wusste, dass er einer schwierigen Zeit entgegensah.
Er war einsam, und ich war weiterhin für ihn da, um ihm zu sagen, dass ich ihn lieb habe. Manchmal wollte er nichts mit mir zu tun haben. Doch mit der Zeit wurde er weicher. Er erzählte mir von seinem Gefühlschaos. Er war als Kind sexuell missbraucht worden; sein Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker. Mit fünfzehn floh er von zuhause. Das half mir, ihn zu verstehen und ihm zu verzeihen. Ich wusste, ich würde erst frei sein, wenn ich ihm verziehen hatte.
Allerdings empfand ich noch immer Abneigung gegenüber den Partnern meines Vaters, besonders gegenüber dem letzten. Er und mein Vater lebten eine vierzehnjährige „offene“ Beziehung. Meine Mutter war nicht da; er war Vaters Pfleger. Er wusste: Wenn mein Vater stirbt, kommt er an seinen Besitz, und Vater war ziemlich vermögend. Keiner von Vaters Partnern war zu mir wie ein Adoptivvater. Ich hasste es, dass mein Vater so viel Zeit mit seinen Liebhabern verbrachte statt mit mir. Sein letzter Partner starb 1996 an AIDS.
Am Tag, bevor mein Vater starb, war ich noch bei ihm. Er war mit Medikamenten vollgepumpt und hatte große Schmerzen. Er konnte mich fast nicht erkennen. Ich hielt seine Hand. Vater sagte zu seinem Partner: „Sag ihr, dass ich sie lieb habe.“
Mir fiel auf, dass Vater ein Bild mit einem Segelboot auf einem ruhigen Meer, das ich ihm vor vielen Jahren gekauft hatte, aufgehoben hatte. Es freute mich, dass er es aufbewahrt hatte. Es zeigte, dass es ihm etwas wert war. Ich betete, dass Vater den auf dem Bild dargestellten Frieden finden würde.

Wie haben Sie als Erwachsene die negativen Erfahrungen Ihrer Kindheit und Jugend verarbeitet?

D. Stefanowicz: Als ich 30 Jahre war, begann ich eine dreizehn Monate dauernde Therapie. Jahrzehntelang hatte ich innere Unsicherheiten, Depressionen, Schlaflosigkeit und sexuelles Chaos durchgemacht. Zu meiner Genesung gehörte, mich der Realität zu stellen und Vergebung zu gewähren.

Wie wurde Ihr Buch aufgenommen?

D. Stefanowicz: Viele unterstützen es. Mehr als 50 Personen, die als Kinder oder Jugendliche in gleichgeschlechtlichen Elternhäusern aufgewachsen sind, haben Kontakt zu mir aufgenommen. Sie bestätigten meine Erfahrungen.
Männer, die in einem homosexuellen Lebensstil leben, schrieben mir, dass sie nach Antworten suchen. „Wie kann ich die schwule Welt verlassen?“, fragen sie, „ich habe keine Unterstützung durch Familie oder größere Gemeinschaft, die ich doch bräuchte!“ Sie suchen nach Liebe, Mitgefühl und Unterstützung. Ich sage ihnen, dass sie nicht denselben Weg gehen müssen wie mein Vater.
Diese Männer erzählen mir auch, dass sie an niemanden weiter gedacht haben, wenn sie sexuell mit anderen Männern aktiv waren. Sie haben ihre Verhaltensweisen nicht als etwas gesehen, das andere verletzt. Sie haben ihr Vergnügen genossen, und die Konsequenzen ignoriert.

Was sagen Sie Ihren Kritikern?

D. Stefanowicz: Viele lassen sich durch die gesellschaftliche Anerkennung der Homosexualität täuschen. Sie denken nicht über die langfristigen Auswirkungen auf Kinder nach.
Wenn Kritiker gemein sind, antworte ich nicht. Wenn sie mich mit Respekt behandeln, tue ich das auch. Ich erzähle ihnen, dass mein Vater nie glücklich geworden ist. Ich lasse sie wissen, dass ich mich für sie interessiere, dass ich ihre Lage verstehe und mit ihnen fühle. Ich sage ihnen, dass sie eine Unterstützer-Gruppe brauchen, in der sie ehrlich sein können, Vergebung suchen und Erlösung in Christus finden können. Wenn wir Christus anderen bezeugen, werden sie zu ihm hingezogen.

Manche Kritiker sagen, dass nicht alle homosexuell lebenden Männer so promisk leben wie Ihr Vater.

D. Stefanowicz: Das stimmt. Doch wenn man sich mit der Schwulengemeinschaft einlässt, ist das Risiko höher, dass man mit vielen Partnern sexuelle Beziehungen hat. In der Tat verweisen Studien auf eine hohe Promiskuitätsrate bei Männern, die Sex mit Männern haben. Ebenso ist die Rate sexuell übertragbarer Krankheiten bei Männern, die Sex mit Männern haben, auch weiterhin sehr viel höher. Vater war nichts Besonderes in Bezug auf sein Cruising. Es gibt viele homosexuell lebende Männer, die viel Energie haben und schnelle Liebesabenteuer schätzen.

Sie standen in Kontakt mit der katholischen Organisation „Courage“, die Menschen mit ungewünschten homosexuellen Neigungen Unterstützung anbietet.

D. Stefanowicz: Ja. Der Mitbegründer, Pater John Harvey, war mir eine unglaublich große Hilfe. Er nannte mich eine mutige Frau, weil ich meine Geschichte erzählt habe.

Was halten Sie von den Kampagnen, die „gleichgeschlechtliche Ehe“ anzuerkennen?

D. Stefanowicz: Ich habe vor gewählten Amtsträgern in Kanada, den USA und anderswo ausgesagt. Ich spreche kurz meinen eigenen Lebensweg an und sage dann, dass die „traditionelle“ Ehe, also die Verbindung zwischen Mann und Frau, aus historischer wie aus religiöser Sicht von hoher Bedeutung ist. Sie ist das Bindemittel, das unsere Kultur und unsere Gesellschaft zusammenhält. Sie bietet den Raum, in dem Kinder in einer sicheren Umgebung am besten groß werden können.
Themen, über die ich spreche, sind die Monogamie, und die hohe Bedeutung, die es für Kinder hat, mit Vater und Mutter aufzuwachsen und Verbindung zu ihrer biologischen Verwandtschaft zu haben. Unsere Identität, unsere Geborgenheit und unser Wissen um unsere Herkunft kommen daher, dass wir unsere Mutter und unseren Vater kennen. In homosexuellen Verbindungen geht das verloren.
Jedes Kind möchte bei seinen biologischen Eltern aufwachsen und wünscht sich, dass diese einander treu sind. Kinder wollen nicht die gewaltige Belastung, bei Eltern aufzuwachsen, die ihre sexuellen Vorlieben an die erste Stelle setzen. Drei Jahrzehnte lang habe ich erlebt, wie mein Vater eine Beziehung nach der anderen einging. Das stand bei ihm an erster Stelle. In einem solchen Umfeld können die seelischen, beziehungsmäßigen und religiösen Bedürfnisse eines Kindes nicht gestillt werden.

Wie gesagt – ich war als Kind hin- und hergerissen. Sollte ich die unmoralischen Sachen tun, die mein Vater von mir verlangte? Wie kann ich meinen Vater in einer solchen Umgebung achten? Was ist mit meinen eigenen Bedürfnissen? Spielen meine Gefühle keine Rolle, nur die meines Vaters und seiner Partner?
Kinder interessieren sich nicht dafür, ob die Welt „schwul“ und wohlwollend ist. Sie wollen einfach Zeit mit ihren Vätern verbringen. Sie brauchen ein stabiles Elternhaus mit Vater und Mutter, die miteinander verheiratet sind. Sie brauchen eine Umgebung und eine Schule, in denen man gemeinsame Werte teilt. Und sie brauchen ein religiöses Fundament. Für diese Ansichten werde ich zwar von Aktivisten angegriffen, doch ich hasse sie nicht. Mir geht es um die Kinder.

Ich bin in der Schwulen-Lesben-Bisexuellen-und-Transgender-Welt geboren und aufgewachsen. Mich davon zu befreien, war ein einsames Unterfangen. Aber ich habe dadurch eine Freiheit und Freude erlangt, die ich gerne an andere weitergeben möchte.


Ins Deutsche übertragen und mit Erlaubnis von Dawn Stefanovicz leicht gekürzt.